Chronik 2013 – 2014

Träger: AWO Kreisverband Göppingen e.V.
„Neben der Gelegenheit zum Austausch junger Mütter, der Abwechslung im Alltag, des Kräftesammelns und der Hilfe bei Erziehungs- und Partnerfragen, haben die Kinder schwerpunktmäßig im Alter von ein bis drei Jahren jede Menge Spaß am Toben und Spielen.“ NWZ
FT Bodenfeld 1Die Geburt eines Kindes bedeutet für Mütter und Väter gleichermaßen Veränderung. Die Partnerschaft verändert sich, Rollen müssen neu ausgehandelt werden, und nicht immer gibt es im Freundeskreis Austausch mit anderen Eltern kleiner Kinder. Der Familientreff schafft für Mütter, Väter und Großeltern die Möglichkeit, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Auch bietet der regelmäßige Treffpunkt Raum für gemeinsame Freizeitgestaltung, für das Knüpfen neuer Kontakte oder gar Freundschaften. Es wird eine Vielzahl von Bildungs- und Beratungsmöglichkeiten für die Erwachsenen und liebevolle    Betreuung und Förderung für die Kinder angeboten. Der Bodenfelder Familientreff hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Ort der Begegnung entwickelt. Das Herzstück ist das Offene Café, das montag- und freitagvormittags in den Räumen des Gemeindehauses der Martin-Luther-Kirche für alle geöffnet ist. Hier fühlen sich Frauen, Männer und Kinder aus verschiedenen Nationen und unterschiedlichen Kulturen wohl. In kleinen Gruppen, alle gemeinsam oder auch mal ganz in Ruhe für sich alleine, genießen unsere Besucherinnen und Besucher eine Tasse Tee oder Kaffee, Gespräche und die Gemeinschaft in freundlich aufgeschlossener Atmosphäre. Erfahrungen und Gedanken werden ausgetauscht, durch das gegenseitige Kennenlernen sind Vorurteile schnell überflüssig. Immer wieder entstehen neue Kontakte, sogar Freundschaften, während die ehrenamtlichen Helferinnen mit den Kindern spielen, sprechen, singen, toben, malen oder basteln. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und sozialen Einrichtungen werden gemeinsam wichtige Themen besprochen, beispielsweise der angemessene Umgang mit den Kindern und deren Begleitung durch die unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Zur gelebten Partnerschaft, den alltäglichen Herausforderungen des gemeinsam-Eltern-seins, aber auch zur Organisation des Haushaltes und der Finanzen gibt es immer wieder informative Vorträge und Gesprächsrunden. Hierfür werden regelmäßig ausgebildete Fachkräfte eingeladen, die einzelne Themen alltagsnah vertiefen und bei Bedarf weiterführende Beratungs- und Hilfsangebote vermitteln. Die Mutter-Kind-Spielgruppe, die von einer pädagogischen Fachkraft einmal in der Woche angeleitet wird, ist längst nicht mehr aus dem Familientreff wegzudenken. Die immer fröhlichen Spielanregungen werden von unseren jungen wie auch von den erwachsenen Besucherinnen und Besuchern mit größtem Vergnügen angenommen. Zu unseren regelmäßigen Angeboten gehört auch die Offene pädagogische Gesprächsrunde, die von einer Psychologin des Landratsamtes geleitet wird. Jeden dritten Montag im Monat findet im Bodenfelder Familientreff die Offene Gesundheitssprechstunde mit einer erfahrenen Familienkrankenschwester statt. Hier ist es möglich, individuelle Themen in Ruhe zu besprechen. Die Expertin weiß Rat und Unterstützung bei allen gesundheitlichen Fragen rund um das Kind. Jeden zweiten Montag im Monat steht ein Vortrag zu Themen aus dem pädagogisch-psychologischen Bereich auf dem Programm – die Themenauswahl wird nach den Wünschen und Interessen der Eltern gestaltet. Zu diesen Veranstaltungen kommen nach wie vor einige Eltern, die früher regelmäßig zu Gast im Familientreff waren und deren Kinder zwischenzeitlich im Kindergarten oder in der Schule sind. Jeden ersten Montag im Monat wird unser großes Frühstücksbüfett zelebriert. Alle helfen mit und die Vielfalt der Köstlichkeiten aus den unterschiedlichen Herkunftsländern und -kulturen ist immer wieder aufs Neue eindrucksvoll. Zusätzlich zu unseren bestehenden Angeboten gibt es für Kinder aus Familien mit türkischer und russischer Herkunftsgeschichte, in enger Zusammenarbeit mit dem Göppinger Haus der Familie, den türkischen und den russischen Mini-Club. Unter der Leitung einer Diplom-Psychologin finden die Mini-Clubs in der jeweiligen Muttersprache sowie in deutscher Sprache statt. Ziel ist es, die Kinder in ihrer Muttersprache zu stärken und sie kindgerecht mit Liedern, Spielen und Geschichten an die deutsche Sprache heran zu führen. Die Erwachsenen können dabei Kontakte knüpfen und sich mit anderen Eltern austauschen. Darüber hinaus können sie Erziehungsfragen allgemeiner und interkultureller Art mit der muttersprachlichen Psychologin besprechen. So haben die Eltern die Möglichkeit sich ohne sprachliche Barrieren mit einer Fachfrau unterhalten zu können. Dabei finden viele Fragen endlich Antworten, die viel zu oft aufgrund sprachlicher Hindernisse unbeantwortet geblieben sind. Eine zentrale Rolle bei all unseren Angeboten spielt die Musik. Miteinander gesungene Lieder regen in Verbindung mit Bewegung und Tanz die Fantasie und Kreativität der Kinder an und vermitteln ihnen das gute Gefühl von Geborgenheit. Lieder und Reime fördern und fordern die persönliche Entwicklung der Kinder. Vor allem gemeinsame Feiern wie Geburtstage, Nikolausfeier und Fasching erfreuen sich großer Beliebtheit. Trotz mannigfaltiger Unterschiede kommen zu unseren Festen Familien aus vielen unterschiedlichen Kulturen und Religionen zusammen, um zu singen und zu feiern. FT Bodenfeld 2Bei nahezu jedem Treffen finden intensive Einzelgespräche mit der Leiterin des Familientreffs statt. Bei umfangreichen Problemen werden die Familien selbstverständlich auch zu einem Gespräch daheim besucht. Reicht das nicht aus, wird eine passende Beratungsstelle der Stadt Göppingen ausgewählt, zu der Familienmitglieder auf Wunsch auch begleitet werden. Zum Alltag des Familientreffs gehören auch Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit.   So bestehen Kontakte zu vielen sozialen Einrichtungen im Landkreis Göppingen. Zudem sind wir bei öffentlichen Veranstaltungen, wie beispielsweise dem Weltkindertag, der Familienmesse, dem Sommerfest im Stadtteil Bodenfeld und bei vielen weiteren Anlässen mit dabei. Darüber hinaus schätzen wir die gute Zusammenarbeit mit den Kindergärten und -tagesstätten vor Ort, die unsere Arbeit dankenswert unterstützen. Menschen jeden Alters und aus unterschiedlichen Nationen nehmen die Angebote des Bodenfelder Familientreffs regelmäßig wahr. Rund siebzig Prozent unserer Besucher leben mit Migrationsgeschichte im Göppinger Stadtteil Bodenfeld. Das interkulturelle Miteinander gilt uns als hohes Gut, das wir fördern und zu schätzen wissen. Im gemeinsamen Erleben erfahren und schenken unsere Besucherinnen und Besucher Toleranz, die Kinder lernen von den Erwachsenen – nicht selten geschieht dies übrigens auch andersherum. Wir sind froh darüber, dass sich der Bodenfelder Familientreff zu einem Raum entwickelt hat, in dem Menschen jeder Kultur und Glaubensrichtung zusammen finden können. Großer Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, die unser Angebot in der gegebenen Offenheit ermöglichen: Der Familientreff lebt durch die Ideen aller, die sich aus ganzem Herzen beteiligen.
„Vor drei Jahren bin ich mit meinen Kindern nach Deutschland gekommen. Ein fremdes Land, fremde Sprache, fremde Lebensgewohnheiten. Wir fühlten uns allein und unsicher. Durch den Familientreff habe ich Mut und Zuversicht bekommen, dass es für uns gut weiter gehen kann“.
  Lilli Wacker