Chronik 2015 – 2016

Träger: DRK-Kreisverband Göppingen e.V.
Im Jahr 2016 feierte der Landkreis das 10-jährige Bestehen der Familientreffs. Der Familientreff in Ebersbach, unter der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes, war einer der drei ersten Familientreffs, der im Jahr 2006 mit der Projektarbeit begann. Von daher gab es auch in Ebersbach ein 10-jähriges Jubiläumsfest. Das fantastische internationale Frühstücksbuffet, das von vielen Helferinnen aus verschiedenen Ländern zubereitet wurde und die mehr als sechzig Besucher/innen zeigten, dass der Familientreff im Ebersbacher Gemeindealltag „angekommen“ ist. Für die Kinder gab es einige Tage später eine Märchenaufführung mit der Künstlerin Ilka Wimmer. Alle Plätze waren belegt und die Kleinen lauschten gespannt den Bremer Stadtmusikanten. Zehn Jahre Familientreff, das ist auch eine Rückschau wert. Deshalb sollen heute zwei Ehrenamtliche, Herr Eisele von der Stadtverwaltung und zwei Besucherinnen zu Wort kommen. Frau Marianne Härer und Frau Brigitte Eberhardt sind von Anfang an dabei und heute schon „halbe Profis“ im Familientreff. Auf die Frage, warum sie dabei sind, meint Frau Eberhardt, dass sie vor 10 Jahren eine sinnvolle Beschäftigung gesucht hat, in der sie etwas bewegen kann und Frau Härer warf ein, dass Kinder ihr schon immer viel Freude gemacht haben und sie, inzwischen im Rentenalter, gerne noch „am Puls des Zeitgeistes“ sei und das wäre sie, mit den vielen jungen Eltern. Frau Härer freut sich, wenn Mütter nach Jahren mit dem zweiten oder dritten Kind wiederkommen und sagen: Oh, hier kenne ich ja noch alle, wie schön, dass mal was „gleich bleibt“. Beide versichern, dass das Team aus sieben Ehrenamtlichen gut miteinander auskommt, jede ihren Platz gefunden habe und diese Harmonie auch von den Besucher/innen empfunden wird. Auf die Frage, was sich denn in den zehn Jahren verändert habe, werden beide nachdenklich. Frau Eberhardt meint, dass die Mütter früher mehr aus dem Bauch gehandelt hätten, Erziehung vielleicht auch eine Frage der Intuition war. Heute seien die Eltern stärker verunsichert und das gehe quer durch alle sozialen Schichten, ob junge oder ältere Eltern. Das Angebot für Eltern ist so vielfältig geworden. Das suggeriere ihnen, dass sie überall dabei sein müssten um ihr Kind optimal zu fördern. Frau Härer schwärmt: das Schönste war für sie einfach nur dazusitzen mit ihrem Baby auf dem Bauch und die Ruhe und Innigkeit zu fühlen. Sie fragt sich, ob Eltern heute dazu noch Zeit finden. Beide stellen fest, dass die Mütter viel früher wieder arbeiten gehen, die Kinderbetreuung ab einem Jahr wird selbstverständlicher, so dass wir im Familientreff eine höhere Fluktuation haben und nicht mehr wie zu Anfang Bindungen über Jahre hinweg sich entfalten können. Aber immer noch seien es eher die Mütter, denen der Spagat zwischen Kindererziehung und Arbeit gelingen muss. Obwohl, sinniert Frau Eberhardt anerkennend, z. Z. haben wir ja ein türkisches Elternpaar, das sich sowohl die Kindererziehung als auch die Betreuung teilt. Abwechselnd ist mal der Vater, mal die Mutter mit beiden Kindern im Familientreff. Schwierig finden beide nach wie vor, dass manche Mütter es auf Grund ihres sozialen und/oder familiären Hintergrundes schwer haben, Kontakte im Familientreff zu schließen. Die Begleitung von Familienhebammen hilft diesem Personenkreis, die Hemmschwelle zu überwinden. Sie freuen sich beide, wenn sie sehen, wie manche Kinder, wenn sie regelmäßig in den Familientreff kommen, Veränderungen in ihrem Sozialverhalten aufzeigen und dass Mütter/Eltern, die zu Anfangeher verschlossen waren, sich öffnen und von ihrem Leben erzählen. Beide Ehrenamtlichen betonen, dass sie sich über die netten Aktivitäten freuen, die der Leiterin Dank der Sachkostenpauschale des Landratsamtes möglich sind. Ob Theaterbesuche, Stadtführungen oder auch mal lecker Essen gehen, natürlich ist das kein Grund zum Dabeibleiben, meinen beide, aber schön ist es doch, diese Anerkennungskultur und fördert das Gemeinschaftsgefühl. Herr Eisele, stellvertretender Amtsleiter für Bildung, Erziehung und Betreuung in Ebersbach und Ansprechpartner für den Familientreff versichert, dass der Familientreff das Anfangsglied in der Kette von Angeboten für Familien ist, die ein familienfreundliches Ebersbach auszeichnet. Er ist die Anlaufstation vor Kindergarten und Schule und bietet eine problem- und zeitnahe Unterstützung und Beratung im Vorfeld. Auch er sieht, wie wichtig die Ehrenamtlichen für die vielfältigen Angebote sind und meint abschließend, dass der Familientreff in diesen zehn Jahren zu einer Einrichtung geworden ist, die nicht mehr aus Ebersbach wegzudenken sei. Zum Schluss noch zwei Interviews mit regelmäßigen Besucherinnen im Familientreff. Celina K. eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die über den PEKiP-Gutschein zum Familientreff kam. Auf die Frage, was sie besonders am Familientreff schätzt antwortete sie, dass ihr die familiäre Atmosphäre gut getan hat, dass ihr zugehört wird und auch tatkräftig bei der Problembewältigung geholfen wurde. „Ich habe Menschen kennen gelernt, mit denen mich inzwischen eine Freundschaft verbindet. Ich habe gute Tipps erhalten durch die vielen unterschiedlichen Vorträge und im Zweiergespräch und ich konnte immer meine Kinder mitbringen. Die sonstigen Erziehungsvorträge, die abends sind, sind für mich als Alleinerziehende nicht machbar, da ich keinen Babysitter habe.“ Und obwohl ihre beiden Kinder inzwischen im Kindergarten sind, kommt Frau K. wenn sie Zeit hat auf einen „Schwatz“ vorbei und erzählt gerne, wie ihr´s jetzt in ihrem Leben geht. Mehtap R. ist Muslima und lebt seit zehn Jahren in Deutschland und hat zwei Kinder. Sie meint auf die Frage, was ihr am Familientreff gefällt: „Ich habe hier gelernt, wenn man will, kann man alles machen, ihr gebt mir Mut dazu. Ihr seid so nett zu mir gewesen, dadurch habe ich Vertrauen zu euch gefunden. Außerdem habe ich hier viel Deutsch gelernt (auch dank unserer pensionierten ehrenamtlichen Lehrerin, Dorle Knauß) und bei beruflichen Fragen half Frau Würth weiter, sie war früher Frauenbeauftragte beim Arbeitsamt. Außerdem, so Mehtap, hier fragt mal jemand nach MIR, nicht immer nur nach meinem Kopftuch. Ich komme gerne hierher. Beide Mütter versichern, sie fühlen sich hier ein bisserl, wie in einer großen Familie. In meinem Resümee nach zehn Jahren Familientreffarbeit, das für beide Familientreffs und sicherlich für alle Familientreffs im Landkreis gleichermaßen gilt, möchte ich gerne Mehtaps letzten Satz nochmals aufgreifen. Was macht die Familientreffs aus, was wollen wir, was ist uns wichtig? Wir möchten den Menschen, die zu uns kommen, möglichst ohne Schubladendenken begegnen. Wir wollen uns Zeit nehmen für ihre Empfindungen, Gedanken, für ihre Wünsche und für ihre Geschichte. Was alle Besucher/innen verbindet ist die Elternschaft, egal aus welcher sozialen Schicht sie sind oder welche Herkunft oder Hautfarbe sie haben. „Integration wird erst dann möglich, wenn Menschen Menschen sein dürfen, eigen, einzigartig, vielschichtig. Wenn sie nicht Menschen mit Migrationshintergrund, geflüchtete Menschen, Muslime, Christen, Farbige, Weiße, Menschen mit Behinderung oder irgendein anderes Kollektiv sein und repräsentieren müssen. Wenn ihr Handeln, gutes wie schlechtes, nicht auf den Rest des Kollektivs zurückfällt. Wenn sie als ICH gesehen werden, statt als Menschengruppe.“ *Vielleicht ist das ein wichtiges Merkmal des Erfolgsrezepts aller Familientreffs, zumindest bemühen wir uns alle darum:
  • Eltern begegnen Eltern
  • Familien begegnen Familien
  • Kinder begegnen Kindern
  • Menschen begegnen Menschen
Irmela Schmidt